Eine mehrtägige Route besteht nicht aus Kilometern, sondern aus Nächten. Zwischen zwei Übernachtungsorten liegt eine Etappe, und die Länge dieser Etappe ist damit nicht frei wählbar: Sie wird von der Lage der Hütten, Berggasthäuser und Talorte vorgegeben. Wer zuerst eine Tagesleistung festlegt und dann eine Unterkunft sucht, dreht die Reihenfolge um und findet meist nichts.
Der erste Arbeitsschritt ist deshalb eine Liste: alle möglichen Schlafplätze entlang der Linie, mit ihrer Höhe, ihrer Betriebszeit und ihrer Erreichbarkeit vom Tal. Erst aus dieser Liste entsteht das Raster, in das sich die Tage einpassen lassen.
Die Etappe als Rechnung
Steht das Raster, wird jede Etappe einzeln durchgerechnet: Distanz, Aufstieg, Abstieg, dazu der Zuschlag für das Gelände und der eigene Faktor gegenüber den Wegweiserzeiten. Die Methode dazu steht in Wanderzeit realistisch planen statt hoffen, und sie wird bei Mehrtagesrouten wichtiger als bei Tagestouren, weil sich Fehler addieren.
Ein zweiter Punkt kommt dazu: das Rucksackgewicht. Wer für vier Tage packt, trägt mehrere Kilogramm zusätzlich, und diese Last kostet auf jedem Aufstieg Tempo. Realistisch sind zehn bis zwanzig Prozent mehr Zeit als bei einer Tagestour über dieselbe Strecke, mehr, wenn Zelt oder Kocher dazukommen.
| Schritt | Was festgelegt wird | Womit es steht und fällt |
|---|---|---|
| 1. Schlafplätze | Alle möglichen Übernachtungsorte an der Linie | Betriebszeiten und freie Plätze |
| 2. Etappenschnitt | Welche Orte an welchem Abend erreicht werden | Höhenprofil zwischen den Orten |
| 3. Zeitrechnung | Marschzeit pro Etappe mit eigenem Faktor | Gelände, Gewicht, Gruppengrösse |
| 4. Rückfallebenen | Ausstiege ins Tal pro Etappe | Verkehrsanschluss und Abstiegsdauer |
| 5. Anschluss | Anreise, Rückreise, Fahrpläne | Erste und letzte Kurse der Saison |
Rückfallebenen sind Teil der Route
Eine Mehrtagesroute ist nur so gut wie ihre Ausstiege. Für jede Etappe wird notiert, wo man ins Tal absteigen kann, wie lange dieser Abstieg dauert und ob dort ein Kurs fährt. Diese Angaben stehen im Notizbuch neben der Etappe, nicht im Gedächtnis, denn gebraucht werden sie an dem Tag, an dem etwas nicht wie geplant läuft.
Typische Auslöser sind ein Wetterwechsel, eine Blase am zweiten Tag oder eine Passage, die wegen Restschnee nicht begehbar ist. Im Sommer kommt der Nachmittagsgewitter-Rhythmus dazu, der in Warum das Gewitter fast immer am Nachmittag kommt beschrieben ist und der jede lange Etappe in die frühen Stunden drängt.
Das Etappenziel am Abend, mit der ganzen Tagesstrecke im Rücken.
Merkposten
Die erste Etappe wird kurz geplant, die zweite und dritte lang, die letzte wieder kurz. Der Körper braucht einen Tag, um sich auf das Gewicht einzustellen, und der letzte Tag hängt am Fahrplan der Heimreise.
Verpflegung, Wasser, Gepäck
Wer in Hütten übernachtet, trägt fast keine Verpflegung: Nachtessen und Frühstück sind im Haus, unterwegs reichen Wasser und ein Zwischenverpflegungsvorrat. Wer Biwakschachteln einplant, trägt für jede dieser Nächte Essen, Kocher und Brennstoff, und die Unterschiede zwischen beiden Varianten stehen in Biwakschachtel oder bewirtschaftete Hütte.
Wasser ist die zweite Grösse. Auf Kalkgelände und in Geröllflanken gibt es über Stunden keine Quelle, während in Weidegebieten fast überall Brunnen stehen. Die Wasserstellen werden vor dem Start in die Etappenliste eingetragen, zusammen mit der Menge, die zwischen zwei Stellen getragen werden muss.
Ein Brunnen auf der Alpweide, in der Etappenliste als Wasserstelle vermerkt.
Anschluss an Bahn, Bus und Pass
Anfang und Ende einer Route hängen am öffentlichen Verkehr. Postautokurse über Pässe fahren erst nach der Freigabe der Strasse, wie Wann ein Alpenpass wirklich offen ist zeigt, und Bergbahnen haben Revisionsfenster, in denen gar nichts geht. Beides gehört geprüft, bevor die Etappen stehen, nicht danach.
Wer eine Route über mehrere Täler legt, gewinnt dadurch eine zusätzliche Freiheit: Jeder Talort mit Anschluss ist gleichzeitig ein Ausstieg und ein möglicher Startpunkt für die Fortsetzung an einem anderen Wochenende. Eine Mehrtagesroute muss nicht an einem Stück begangen werden, um eine Route zu sein.
Was mitgeht und was zu Hause bleibt
Auf einer Hüttentour ist das Gepäck erstaunlich klein: Hüttenschlafsack, ein Satz Wechselwäsche, Regen- und Windschutz, Erste-Hilfe-Set, Karte, Stirnlampe, Sonnenschutz und Wasser. Alles Weitere wird zum Gewicht, das über jeden Aufstieg mitgetragen wird. Als Faustregel gilt: Was an drei Tagen nicht mindestens einmal gebraucht wurde, hätte im Tal bleiben können.
Zwei Dinge werden dagegen regelmässig vergessen. Erstens genügend Bargeld, weil nicht jede Hütte Karten akzeptiert. Zweitens ein Ladegerät oder eine kleine Zusatzbatterie, denn das Telefon dient unterwegs als Karte, als Kamera und im Ernstfall als Notruf, und genau diese drei Funktionen zusammen leeren den Akku bis zum zweiten Abend.
Das Gepäck für drei Hüttennächte, vor dem Packen ausgelegt und zusammengezählt.
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Wie sich Hüttenplätze für mehrere Nächte sauber buchen und wieder abmelden lassen, steht in Eine Hütte reservieren, ohne die Bewirtschaftung zu ärgern. Historische Linienführungen mit sehr guter Etappenteilung finden sich in Saumpfade: als die Alpen ein Warenweg waren. Und wenn eine Etappe an einer Bergstation endet, gilt die Rechnung aus Erste Bahn, letzte Bahn.