Im April beginnt in den Alpen eine Arbeit, die von unten kaum sichtbar ist: Die Werkhöfe der Kantone schicken Schneefräsen und Raupen auf die hohen Passstrassen, die seit dem Spätherbst unter mehreren Metern Schnee liegen. Von diesem Moment an bis zur offiziellen Öffnung vergehen je nach Winter zwei bis acht Wochen.
Der Grund für diese Spanne ist nicht die Menge Schnee allein. Eine Passstrasse muss nach der Räumung geprüft, gesichert und instand gestellt werden, bevor sie Verkehr aufnehmen darf. Solange dieser Ablauf nicht abgeschlossen ist, bleibt die Barriere unten geschlossen, auch wenn die Fahrbahn oben bereits schwarz ist.
Was zwischen Räumung und Öffnung passiert
Zuerst wird eine Spur gefräst, meist von beiden Seiten her, bis sich die Maschinen auf der Passhöhe treffen. Danach wird die Fahrbahn auf ihre volle Breite erweitert und die Schneewände werden abgeschrägt, damit sie nicht auf die Strasse zurückrutschen. Anschliessend beginnt die Kontrolle der Bauwerke: Galerien, Stützmauern, Leitplanken, Entwässerung. Der Winter hinterlässt Frostschäden, ausgebrochene Ränder und verschobene Steinschlagnetze.
Parallel dazu läuft die Lawinenbeurteilung. Über vielen Passstrassen hängen Hänge, die im Frühling bei Erwärmung nass abgehen. Solange dieses Risiko besteht, wird die Strasse nicht freigegeben, und die Beurteilung folgt denselben Grundlagen wie das Bulletin, das in Das Lawinenbulletin lesen beschrieben ist. Erst wenn Räumung, Instandstellung und Lawinenlage zusammenpassen, wird geöffnet.
| Übergang | Höhe | Regel |
|---|---|---|
| Umbrail | 2501 m | Höchste asphaltierte Passstrasse der Schweiz, Winterschliessung |
| Nufenen | 2478 m | Höchster Pass ganz auf Schweizer Boden, Winterschliessung |
| Furka | 2429 m | Winterschliessung, Autoverlad als Alternative im Tal |
| Flüela | 2383 m | Winterschliessung |
| Julier | 2284 m | In der Regel ganzjährig offen |
| Ofenpass | 2149 m | In der Regel ganzjährig offen |
Warum das Öffnungsdatum jedes Jahr anders liegt
Drei Grössen bestimmen den Termin: die Schneemenge des Winters, der Verlauf der Erwärmung im Frühling und die Zahl der Schadenstellen. Ein schneereicher Winter mit spätem Kaltlufteinbruch im Mai schiebt die Öffnung nach hinten, ein trockener Winter mit früher Wärme zieht sie vor. Deshalb nennen die Werkhöfe erst wenige Tage vorher ein verbindliches Datum, und deshalb ist jede Jahreszahl aus dem Vorjahr höchstens ein Anhaltspunkt.
Für die Praxis heisst das: Der Zustand wird am Vortag geprüft, nicht im Frühjahr geplant. Die Kantone und die zuständigen Strassenstellen melden Öffnungen, Nachtsperrungen und Wintersperren laufend, und die Postautokurse über die Pässe nehmen den Betrieb erst auf, wenn die Strasse freigegeben ist. Wer eine Wanderung von einer Passhöhe aus plant, hängt damit direkt am selben Datum.
Die Barriere am Fuss der Passstrasse bleibt unten, solange die Strecke oben nicht freigegeben ist.
Merkposten
Eine geöffnete Passstrasse sagt nichts über die Wanderwege daneben aus. Die Strasse wird geräumt, der Weg nicht. Nordseitige Wege auf gleicher Höhe bleiben oft noch Wochen nach der Passöffnung unter Altschnee.
Was die Öffnung für Wandernde bedeutet
Die Passhöhe ist ein bequemer Ausgangspunkt: Sie liefert zweitausendfünfhundert Höhenmeter ohne Aufstieg, oft mit Postautohaltestelle und Parkplatz. Genau das macht sie im Juni zur Falle. Wer oben aussteigt, steht in einer Landschaft, die noch im Winterzustand ist, während unten im Tal die Wiesen bereits gemäht werden.
Zwei Dinge helfen. Erstens die Wahl der Exposition: Südhänge apern deutlich früher aus als Nordhänge, bei gleicher Höhe können drei Wochen Unterschied liegen. Zweitens die Wahl der Route: Wege, die einer Höhenlinie folgen, queren mehr schneegefüllte Runsen als Wege, die einem Rücken folgen. Wie stark diese Querungen den Charakter einer Tour verändern, zeigt Von T1 bis T6.
Der Kurs über den Pass nimmt den Betrieb erst nach der Freigabe der Strasse auf.
Der Pass als Route, nicht als Ziel
Passstrassen sind die jüngste Schicht über einem viel älteren Netz. Fast jeder Übergang war zuerst ein Saumpfad, dann eine Fahrstrasse, dann eine asphaltierte Passstrasse, und die alten Spuren liegen häufig wenige Meter neben der heutigen Fahrbahn. Wer sie sucht, wandert auf der Geschichte des Warenverkehrs, beschrieben in Saumpfade: als die Alpen ein Warenweg waren.
Wer den Pass dagegen als Etappenpunkt einer längeren Route nutzt, plant ihn als Übergang zwischen zwei Talsystemen ein, mit allem, was dazugehört: Verpflegung, Wasser, Rückfallebene und der Frage, ob am Abend noch ein Kurs fährt.
Wer räumt, und wie
Zuständig sind die kantonalen Werkhöfe, und ihre wichtigste Vorarbeit liegt im Herbst: Bevor der erste Schnee fällt, werden entlang der Fahrbahn Stangen gesetzt, die im Frühling zeigen, wo die Strasse unter dem Schnee verläuft. Ohne diese Markierung müsste sich die Fräse mit Sonden vortasten, und jede Abweichung würde Mauern, Leitplanken und Entwässerungsrinnen beschädigen.
Geräumt wird mit Schneeschleudern, die den Schnee seitlich weit über die Böschung werfen, meist von beiden Talseiten her, bis sich die Kolonnen auf der Passhöhe treffen. Dort, wo Hänge über der Strasse liegen, wird die Lawinensituation laufend beurteilt und bei Bedarf künstlich ausgelöst, bevor Menschen unter dem Hang arbeiten. Diese Arbeit dauert Tage bis Wochen, und sie ist der Grund, weshalb die Fahrbahn oft längst frei ist, während die Barriere unten noch steht.
Die Schneeschleuder arbeitet sich in die Wand, den geworfenen Schnee nimmt die Böschung auf.
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Wie sich mehrere Übergänge zu einer Mehrtagesroute verbinden lassen, steht in Eine Mehrtagesroute in Etappen schneiden. Und wenn statt der Strasse eine Bahn den Zugang bildet, gilt die Rechnung aus Erste Bahn, letzte Bahn.