Der Moment, in dem ein Notruf abgesetzt wird, ist der schlechteste Zeitpunkt, um über Nummern und Formulierungen nachzudenken. Deshalb wird beides vorher gelernt. Es sind zwei Nummern, sechs Angaben und eine Handvoll Verhaltensregeln, mehr nicht.
In der Schweiz gilt 1414 für die Alarmierung der Rettungsflugwacht, also für alles, was aus der Luft gerettet wird. Die 112 ist der europäische Notruf und funktioniert von jedem Mobiltelefon aus. Beide Nummern gehören vor dem Start ins Telefon, zusammen mit der Nummer der Hütte, in der man erwartet wird.
Die Reihenfolge der Angaben
Ein Notruf folgt einem festen Muster, weil die Einsatzzentrale in dieser Reihenfolge disponiert. Zuerst der Standort, weil damit das nächstgelegene Mittel bestimmt wird. Dann, was passiert ist. Dann, wie viele Personen betroffen sind und in welchem Zustand. Dann das Wetter vor Ort, weil davon abhängt, ob geflogen werden kann. Zum Schluss der Name und die Rückrufnummer.
Der Standort ist der Teil, an dem die meisten scheitern. Brauchbar sind Koordinaten aus einer Karten-App, die Bezeichnung des nächsten Wegweiserstandorts mit Höhenangabe oder ein eindeutiger Flurname von der Landeskarte. Genau dafür sind die Angaben auf den gelben Wegweisern gedacht, wie die Signalisation der Schweizer Wanderwege beschreibt: Standortname und Meter über Meer sind die schnellste Standortbestimmung am Berg.
| Reihenfolge | Angabe | Wofür sie gebraucht wird |
|---|---|---|
| 1 | Wo: Koordinaten, Flurname, Höhe | Auswahl und Zuweisung des Rettungsmittels |
| 2 | Was: Sturz, Erschöpfung, Blockierung | Art des Einsatzes und Ausrüstung |
| 3 | Wie viele und in welchem Zustand | Personal, Material, Dringlichkeit |
| 4 | Wetter vor Ort: Sicht, Wind, Wolken | Entscheid über einen Flug |
| 5 | Wer meldet, Rückrufnummer | Rückfragen während des Anflugs |
| 6 | Gefahren am Ort: Steinschlag, Absturz | Sicherheit der Retter |
Wenn kein Netz vorhanden ist
Im Gebirge ist das eigene Netz oft weg, ein anderes aber vorhanden. Ein Notruf über 112 wählt sich in jedes verfügbare Netz ein, unabhängig vom eigenen Anbieter. Hilft das nicht, gibt es drei weitere Wege: einige Meter höher steigen, weil eine Gratkante oft reicht, jemanden zur nächsten Hütte oder Bergstation schicken, oder auf andere Gruppen in Sichtweite zurückgreifen.
Das internationale alpine Notsignal bleibt gültig und funktioniert ohne Technik: sechsmal pro Minute ein sichtbares oder hörbares Zeichen, dann eine Minute Pause, dann wieder. Die Antwort besteht aus dreimal pro Minute. Eine Stirnlampe, eine Pfeife oder ein helles Kleidungsstück reichen dafür aus.
Standortbestimmung vor dem Anruf: Koordinaten aus der Karte, gegengeprüft am nächsten Wegweiser.
Merkposten
Die beiden Handzeichen für den Helikopter: beide Arme schräg nach oben, also ein Y, bedeutet Hilfe nötig. Ein Arm nach oben und einer nach unten, also ein N, bedeutet keine Hilfe nötig. Wer unbeteiligt zuschaut, hält beide Arme unten.
Der Landeplatz und die Minuten davor
Kommt ein Helikopter, wird eine möglichst ebene, freie Fläche gewählt und alles gesichert, was der Rotorwind wegblasen kann: Rucksäcke, Jacken, Rettungsdecken, Karten. Der Rotorwind ist stärker, als es aussieht, und ein losgerissenes Stück Material kann den Anflug abbrechen lassen.
Die wartenden Personen bleiben in Sichtweite des Piloten, geduckt, mit dem Rücken zum Wind, und rühren sich nicht von der Stelle, bis das Flughelferpersonal ein Zeichen gibt. Man nähert sich einem Helikopter nie von hinten und nie von der Hangoberseite. Fliegt die Maschine ohne Landung wieder ab, heisst das meist, dass die Rettung über die Winde erfolgt und der Anflug neu gestartet wird.
Warmhalten und Windschutz: die wichtigste Massnahme in den Minuten zwischen Anruf und Ankunft.
Was in der Zwischenzeit zu tun ist
Zwischen Anruf und Ankunft liegen im günstigen Fall Minuten, im ungünstigen Stunden. In dieser Zeit zählt vor allem eines: die betroffene Person warm und ruhig halten. Isolation von unten, Windschutz aus Rucksäcken, Rettungsdecke, ruhiges Sprechen. Wärmeverlust ist im Gebirge die häufigste Verschlechterung, auch bei Sonnenschein, weil der Boden kalt ist und die Person sich nicht bewegt.
Parallel dazu wird die eigene Gruppe gesichert: Standort verlassen, wenn Steinschlag droht, sonst zusammenbleiben. Und es wird jemand bestimmt, der das Telefon führt, damit die Zentrale nicht mit drei Personen gleichzeitig spricht. Wer zusätzlich weiss, welche Bedingungen an diesem Tag herrschen, kann die Frage nach dem Wetter präzise beantworten, was bei einem aufziehenden Nachmittagsgewitter über den Flug entscheidet.
Was vor dem Start vorbereitet wird
Ein Notruf beginnt bei der Ausrüstung. Dazu gehören ein geladenes Telefon, eine kleine Zusatzbatterie, eine offline verfügbare Karte und die beiden Nummern als Kontakt gespeichert. Wer eine Notfall-App der Rettungsdienste installiert hat, überträgt seine Position mit dem Anruf, was die Standortfrage in Sekunden erledigt.
Dazu kommt der einfachste und am häufigsten übersprungene Schritt: Jemand im Tal weiss, welche Route geplant ist und wann mit der Rückkehr zu rechnen ist. Diese Information ist im Ernstfall wertvoller als jedes Gerät, weil sie den Suchraum von einem Talkessel auf einen Weg reduziert. Bei einer Hüttentour übernimmt die Bewirtschaftung diese Rolle, wie Eine Hütte reservieren beschreibt.
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Im Winter kommt die Lagebeurteilung des Schnees dazu: Das Lawinenbulletin lesen. Wer das Gelände vorher richtig einstuft, gerät seltener in die Lage, alarmieren zu müssen, siehe Von T1 bis T6. Und wer unbewartet übernachtet, trägt die Meldekette selbst, wie Biwakschachtel oder bewirtschaftete Hütte zeigt.