Zum Inhalt springen
Firnlinie Rubrik Hütten
Firnlinie Schweizer Berge, Weg für Weg
Hütten

Der Arbeitstag einer Hüttenbewirtschaftung beginnt um vier

Eine bewirtschaftete Berghütte ist ein Gasthaus, ein Wasserwerk, ein Lager und eine Meldestelle in einem Gebäude. Der Tag beginnt, wenn die ersten Gäste zur Tagwache geweckt werden.

Hüttenwart schneidet vor Sonnenaufgang Brot in einer engen Hüttenküche mit Chromstahlflächen, Dampf über einem grossen Teekessel, warmes Kunstlicht gegen die blaue Dämmerung im Fenster

Um vier Uhr brennt in der Küche Licht, während im Lager noch alles schläft. Wer an diesem Morgen eine Hochtour vor sich hat, sitzt eine halbe Stunde später am Tisch, und dieses Frühstück muss vollständig fertig sein, bevor der erste Gast die Treppe herunterkommt. Von diesem Punkt aus lässt sich der ganze Betrieb einer Berghütte erklären.

Eine Hütte hat keine Zufahrt, keine Lieferung am Nachmittag und keinen Ersatz, wenn etwas ausgeht. Alles, was in einer Woche gebraucht wird, ist eine Woche vorher heraufgekommen: mit der Materialseilbahn, im Rucksack des Personals oder per Helikopter. Diese Bedingung prägt jede einzelne Entscheidung im Haus.

Der Tagesablauf

Nach der frühen Tagwache folgt das zweite Frühstück für die Wandernden, danach das Aufräumen der Lager, das Wechseln der Decken, das Putzen, das Auffüllen der Vorräte aus dem Keller. Am späten Vormittag beginnt die Vorbereitung des Nachtessens, dazwischen liegen die Anrufe für Reservationen, die Wetterbeobachtung und der Kontakt mit anderen Hütten über die Verhältnisse auf den Zustiegen.

Am Nachmittag kommen die ersten Gäste an, meist zwischen vierzehn und siebzehn Uhr. Ab da läuft der Ausschank, die Zuteilung der Schlafplätze, die Abgabe von Informationen über den Weiterweg. Um achtzehn Uhr wird gegessen, in zwei Schichten, wenn das Haus voll ist. Nach dem Abräumen wird für den nächsten Morgen vorbereitet, und um zweiundzwanzig Uhr beginnt die Hüttenruhe, wie sie Eine Nacht im Massenlager beschreibt.

Zeit Was im Haus passiert Was die Gäste davon sehen
04.00 Küche in Betrieb, Tee und Frühstück für Hochtouren Gedecktes Buffet beim Aufstehen
07.00 Zweites Frühstück, Abrechnung, Abreise Betrieb an der Theke
09.00 bis 12.00 Lager, Reinigung, Vorräte, Reservationen Leeres Haus, offene Fenster
14.00 bis 17.00 Ankunft, Zuteilung, Auskunft über Verhältnisse Warmes Getränk auf der Terrasse
18.00 Nachtessen, teils in zwei Schichten Volle Stube
22.00 Hüttenruhe, Vorbereitung für den Morgen Licht aus im Gang

Wasser, Energie, Abfall

Die Wasserversorgung ist bei vielen Hütten der empfindlichste Punkt. Gefasst wird eine Quelle, Schmelzwasser oder beides, gespeichert in Tanks, und in trockenen Sommern sinkt der Zufluss genau dann, wenn am meisten Gäste kommen. Deshalb sind Duschen selten, deshalb ist das Trinkwasser manchmal kostenpflichtig, und deshalb wird jede unangemeldete Gruppe zu einem Rechenproblem.

Der Strom stammt zunehmend aus Photovoltaik mit Batteriespeicher, ergänzt durch einen Dieselgenerator für Spitzen und schlechte Wochen. Das Abwasser wird in Kläranlagen aufbereitet, die auf Höhenlage und kalte Temperaturen ausgelegt sein müssen. Und der Abfall geht denselben Weg zurück, den die Ware gekommen ist: nach unten, per Seilbahn oder Helikopter. Wer seinen eigenen Abfall wieder ins Tal nimmt, entlastet genau diesen Transport.

Helikopter setzt ein Netz mit Getränkekisten neben einer Berghütte ab, zwei Personen ducken sich unter dem Rotorwind, Staub wirbelt über den Felsboden, klares Licht am Vormittag, sehr breite Aufnahme

Versorgungsflug: Getränke und Material werden im Netz neben der Hütte abgesetzt.

Merkposten

Die Auskunft über die Verhältnisse auf dem Weiterweg ist eine der wertvollsten Leistungen einer Hütte. Sie beruht auf Beobachtung und auf den Rückmeldungen der Gäste vom Vortag, nicht auf einer Prognose, und sie ist deshalb aktueller als jede Karte.

Die Hütte als Meldestelle

Wer in einer Hütte reserviert hat und nicht ankommt, löst eine Kette aus. Zuerst wird telefoniert, dann wird geprüft, ob die Gruppe an einer anderen Hütte aufgetaucht ist, und wenn nichts davon greift, wird alarmiert. Deshalb ist die Abmeldung, die in Eine Hütte reservieren beschrieben ist, mehr als eine Höflichkeit. Sie ist der Teil der Sicherheitskette, der im Tal beginnt.

Ebenso gehört die Beobachtung des Wetters zum Tagesgeschäft. Eine Bewirtschaftung sieht die Wolken früher als jede Prognose sie beschreibt und teilt diese Einschätzung an der Theke. Der Tagesgang, um den es dabei fast immer geht, steht in Warum das Gewitter fast immer am Nachmittag kommt.

Hüttenwartin trägt am Nachmittag ein Tablett mit Tassen über eine sonnige Steinterrasse, an den Tischen sitzen Wandernde mit Blick auf eine Gletscherkette, langes Licht, sehr breites Format

Nachmittagsbetrieb auf der Terrasse, zwischen Ankunft der ersten Gäste und der Vorbereitung des Nachtessens.

Eine Saison, die kurz ist

Die meisten Hütten sind im Sommer wenige Wochen bis wenige Monate bewirtschaftet, dazu kommt bei einigen eine Frühjahrssaison für Skitouren. Der Rest des Jahres ist Winterraum-Betrieb ohne Personal. Das Personal wechselt, das Material altert schnell, und die Instandhaltung findet in denselben kurzen Fenstern statt wie der Betrieb.

Diese Verdichtung erinnert an einen anderen Höhenbetrieb mit fixem Kalender: den Alpsommer, der in Hundert Tage Alpsommer beschrieben ist. Beide Betriebe leben davon, dass in kurzer Zeit alles gleichzeitig funktioniert.

Wem das Haus gehört und wer darin arbeitet

Eigentümerin einer Hütte ist in der Regel eine Sektion des Schweizer Alpen-Clubs, ein Verein oder eine Genossenschaft. Sie trägt den Bauunterhalt, finanziert Sanierungen und vergibt die Bewirtschaftung an ein Paar, eine Familie oder ein kleines Team. Diese Trennung erklärt, weshalb die Bewirtschaftung über den Betrieb entscheidet, über das Gebäude aber nicht.

Im Sommer arbeiten je nach Grösse des Hauses zwei bis acht Personen dort: Küche, Service, Reinigung, Materialtransport. Die Stellen sind saisonal, die Tage lang, und die Arbeit verlangt eine Kombination aus Gastgewerbe, Handwerk und Bergerfahrung. Für die Aufgabe gibt es Ausbildungsangebote, doch der grösste Teil wird in der ersten Saison gelernt, mit einer Bewirtschaftung, die bereits mehrere Sommer hinter sich hat.

Zwei Angestellte tragen schwere Kisten und Kanister im Tragegestell über den letzten steilen Zustieg zur Hütte, Schweiss im Gesicht, dahinter fällt das Gelände in ein Tal ab, Vormittagslicht, breites Format

Was die Seilbahn nicht fasst, kommt im Tragegestell herauf.

Weiterlesen

Wer ohne Bewirtschaftung übernachten will, findet die Unterschiede in Biwakschachtel oder bewirtschaftete Hütte. Und weil die Bewirtschaftung im Ernstfall die erste Meldestelle ist, gehört Notruf in den Bergen: was gesagt werden muss zur selben Kette.