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Firnlinie Rubrik Hütten
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Hütten

Eine Nacht im Massenlager, und wie man sie übersteht

Im Massenlager schlafen dreissig bis fünfzig Menschen nebeneinander, die sich nicht kennen. Das funktioniert erstaunlich gut, solange alle dieselben wenigen Regeln kennen.

Massenlager unter einem Dachstock mit langer Matratzenreihe, gefalteten grauen Wolldecken und nummerierten Plätzen, gedämpftes Licht aus einer Dachluke am Abend

Das Massenlager ist die häufigste Schlafform in den Berghütten der Alpen. Eine durchgehende Matratzenreihe unter dem Dach, Plätze mit Nummern, gefaltete Wolldecken am Fussende, dazu ein Fenster, das die ganze Nacht einen Spalt offen bleibt. Wer zum ersten Mal darin liegt, hält es für eine Zumutung. Wer es zum dritten Mal tut, hält es für das Naheliegendste der Welt.

Der Grund für diese Bauform ist simpel: Eine Hütte über der Waldgrenze hat wenig beheizbares Volumen, jedes Kilogramm Material musste heraufgebracht werden, und in einer Sommernacht schlafen viele Menschen dort, wo tagsüber niemand ist. Einzelzimmer wären in dieser Rechnung ein Luxus, der Wasser, Heizmaterial und Fläche verbraucht, die es nicht gibt.

Was mitkommt und was zu Hause bleibt

Ein eigener Hüttenschlafsack ist in fast allen Häusern Pflicht: ein leichter Inlett aus Baumwolle oder Seide, der zwischen den Körper und die Hüttendecke kommt. Er wiegt wenig, spart der Bewirtschaftung Wäsche und ist der Grund, weshalb die Decken überhaupt so lange sauber bleiben.

Dazu kommen Ohrstöpsel, eine Stirnlampe mit Rotlicht, ein kleiner Beutel für die persönlichen Dinge und, wenn die Nacht kurz wird, ein zweites Paar Socken. Alles andere bleibt im Schuhraum oder im Gang. Rucksäcke gehören nicht auf die Matratze, Trinkflaschen nicht auf den Boden im Durchgang, und die Bergschuhe stehen im Trockenraum, weil sie ihren Geruch sonst über das ganze Lager verteilen.

Gegenstand Wofür Wo er hingehört
Hüttenschlafsack Hygiene, Wärme zwischen Körper und Decke Auf der Matratze, zuoberst auf dem Packsack
Ohrstöpsel Schnarchen, Türen, frühe Tagwachen Griffbereit unter dem Kopfkissen
Stirnlampe Weg zur Toilette, Aufbruch vor Sonnenaufgang Neben dem Kopf, Rotlicht eingestellt
Bergschuhe Trocknen über Nacht Schuhraum, nie im Lager
Gepackter Rucksack Aufbruch ohne Suchen im Dunkeln Am Vorabend fertig, im Gang deponiert

Der Abend hat einen festen Ablauf

Ankunft am Nachmittag, Schuhwechsel, Anmeldung an der Theke, Zuteilung des Platzes. Danach folgt das Nachtessen, oft in zwei Schichten, wenn das Haus voll ist. Wer eine frühe Tagwache braucht, meldet sie am Abend an, weil das Frühstück dann separat gerichtet wird. Diese Absprache ist derselbe Mechanismus wie bei der Buchung selbst, beschrieben in Eine Hütte reservieren, ohne die Bewirtschaftung zu ärgern.

Die Hüttenruhe beginnt fast überall um zweiundzwanzig Uhr. Danach wird das Licht in den Gängen gedämpft, in der Stube wird nicht mehr laut gesprochen, und im Lager herrscht Stille. Das ist keine Höflichkeitsregel, sondern eine Notwendigkeit: Ein Teil der Gäste steht um vier Uhr auf, um vor der Wärme des Tages im Firn zu sein.

Schuhraum einer Berghütte mit Reihen von Bergschuhen auf Holzgestellen und Paaren roter Filzfinken darunter, warmes Deckenlicht, feuchte Luft, sehr breite Aufnahme entlang der Regalreihe

Der Schuhraum am Abend: Bergschuhe auf den Gestellen, Finken für drinnen darunter.

Merkposten

Der Platz am Rand ist ruhiger, der Platz in der Mitte wärmer, der Platz neben der Tür der unruhigste. Wer früh anmeldet, hat die Wahl. Wer spät ankommt, bekommt, was übrig ist, und schläft trotzdem, weil der Aufstieg seinen Teil beiträgt.

Warum man im Massenlager schlecht schläft, und was hilft

Für die schlechte Nacht gibt es meist drei Gründe, und keiner davon ist der Nachbar. Der erste ist die Höhe: Über zweitausend Metern wird der Schlaf flacher, das Atemmuster unregelmässiger, die Nacht unruhiger. Der zweite ist die Wärme: Ein Lager mit vierzig Personen heizt sich auf, und wer zusätzlich unter zwei Decken liegt, wacht durchgeschwitzt auf. Der dritte ist die Erwartung, in einer fremden Umgebung sofort einzuschlafen.

Praktisch hilft: viel trinken am Abend, aber nicht direkt vor dem Hinlegen, eine Decke weniger statt zwei zu viel, den Kopf zum Gang und die Füsse zur Wand, Ohrstöpsel vor dem Einschlafen und nicht um ein Uhr nachts, und die Ruhe, dass auch vier Stunden Schlaf für eine Tagesetappe reichen. Wer regelmässig in Hütten übernachtet, gewöhnt sich daran schneller, als es beim ersten Mal scheint.

Bergsteigerin sitzt vor Tagesanbruch angezogen auf der Bettkante im Lager und schnürt bei Stirnlampenlicht die Schuhe, rundherum schlafende Gestalten unter Decken, sehr breites Format

Tagwache um vier Uhr: angezogen wird im Gang, im Lager bleibt es dunkel.

Die Tagwache gehört den anderen

Wer früh aufbricht, verlässt das Lager leise: Kleider liegen bereit, der Rucksack steht draussen, die Stirnlampe leuchtet rot und nach unten. Das Frühstück ist dann bereits gerichtet, oft mit Tee in Thermoskannen, damit die Küche nicht zweimal in Betrieb gehen muss. Wer später aufsteht, bleibt liegen, bis die Gruppe draussen ist, und lässt das Lager in Ruhe.

Am Ende ist das Massenlager eine Übung im Rücksichtnehmen unter Fremden, die für eine Nacht dieselbe Route teilen. Es ist zugleich die günstigste und die naheliegendste Art, in den Bergen zu übernachten. Wer die Alternative ohne Bewirtschaftung sucht, findet die Unterschiede in Biwakschachtel oder bewirtschaftete Hütte.

Lager, Zimmer und die Frage der Kategorie

Viele Hütten bieten neben dem Massenlager kleinere Räume mit vier bis acht Plätzen an. Der Unterschied liegt nicht in der Ausstattung, sondern in der Anzahl Menschen pro Raum: Auch dort schläft man auf Matratzen, mit Wolldecken und Hüttenschlafsack. Wer besonders empfindlich auf Geräusche reagiert, fragt bei der Buchung danach, statt am Abend an der Theke zu verhandeln.

Die Zuteilung erfolgt in der Regel nicht nach Wunsch, sondern nach Belegung und Aufbruchszeit. Gruppen, die um vier Uhr starten, werden nach Möglichkeit zusammengelegt, damit die Tagwache nicht das ganze Haus weckt. Genau deshalb gehört die geplante Aufbruchszeit zu den Angaben, die bei der Reservation gefragt sind.

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Wer wissen will, warum das Frühstück um halb fünf bereits steht, liest Der Arbeitstag einer Hüttenbewirtschaftung beginnt um vier. Und wer mehrere Hüttennächte hintereinander plant, teilt die Strecke nach der Methode aus Eine Mehrtagesroute in Etappen schneiden ein.